ein frühsommer im mittelland
noch grün & klein - ganz unscheinbar
ja unzählig brombeer’n da nun im gestrüpp erst brüten - noch kaum eine reif
doch braucht es halt - für reife jetzt
die ganze goldene sommerhitz’ dazu dann auch
und all die sträucher streben - ranken - kräuter wuchern - ja
die suchen rund herum in dieser orgie auch
nach licht & grund
& ich hab nun auf streifzügen im holz umher
jetzt seit ’ner weil stinkmorcheln ach auch da & dort gerochen
all dies getier gekraut - bestaunt - bewundert dieses masslos reiche treiben
was da so kreucht & fleucht & summt & singt & fickt & zwitschert
& üppig uns - da überall - so prall entgegen strotzt
ja duftet auch so geil aus feuchter wärme
schon lang hat nun holunder hier geblüht - mit schmetterlingen dran
& du - du hast - bin mir fast sicher
doch leider nichts von dieser bunten pracht bemerkt
es zeugt jetzt aber eine art schon feuer halt
& kann uns stolz erfreun
mit beeren hell & lichtrot blitzend - &
ein juni immer dräuender - lässt tage sich erhitzen bis
zum wetterleuchten hin durch diese kurzen nächte jetzt
& letzte überreife magerwiesen
werden endlich doch - auch noch
zum ersten male abgeheut sogar - bevor
mit blitz & donner hoch der juli forsch jetzt losprescht &
gewitterstürme fegen seither hier durchs land
& frisch soll sommer uns loslegen doch
& ab in d’ ferien dann die jugend halt
mit blumenfesten frö-öhlich - & reichlich feuerwerk dazu
was kann ich da noch sagen - du verführst uns ja
mit diesen sonnentagen - wirklich prachtvollern denn je
geheilt sind mir - auch noch
die schlimmsten wunden des begehrens
versunken tief in solch verwunschen dunkles
waldglockenblumenblau
da kümmern uns doch
weder hass noch neid noch gier
doch wo - wo - fragst du - bleiben hier die rosen?
wie blitze uns entgegen hoch empor aus blutiger erde
die sprache nun doch auffahr mensch
von hier & jetzt an - denn
da gibt’s noch ’ne sehr andere welt
& die ist halt
von hightech - feuer - ja von stahl - eiskaltem hass so voll
dass krieg wir führn in heiligen ländern - ja
wir morden auch
an andern orten - marodiern so toll
dass blitzen gleich aus blutiger erde
jetzt hoch empor auch uns entgegen
doch auffahr diese sage nun
von hier & jetzt an
& grad auch kinder allerorten dort - zu jeder zeit
zu hunderten ausbluten
zu tausenden unschuldig opfer dieser
unserer langen - langen macht dort schrein
in dieser unserer - so zynischen politik des schreckens
an hunger - an gewalt
an scheusslichsten verbrechen leiden die
verrecken dort entsetzlich elend
in diesen unseren - kriegen ja
& grad auch jetzt in diesem schönen sommer hier
so recht romantisch dein
& du versuchst uns also nun
mit diesen blüten zu betören - ja
mit leuchtendern & duftendern & prächtigern denn je
& fragst auch noch nach rosen
doch alle diese blitze jetzt schon wieder uns
aus ruchlos blutgetränkter erde hoch empor
& schon wieder fahrn sie mir jetzt hier entgegen &
& gleissend - blendend ja - grad hier & jetzt
& dann auch dir - mensch - & ja - uns allen
& immer weiter hundert- & ja tausendfach - das donnern
das fürchterliche toben - tosen
wenn weiter diese kinder
dort alle in diesem elend verrecken
& du - du fragst uns hier - nach rosen
07/2006